Archiv für Juni 2010

„Unsere Rache für Wembley“ – Deutschland im Viertelfinale.

Wirklich unschön. Deutschland gewann im Achtelfinale der Männer-Fußballweltmeiterschaft gegen England – nun stehen die „multikulti Traumkicker“ im Viertelfinale. Von Provinz bis Metropole durften die Party-Patriot_Innen dann auch hupend und gröhlend durch Innenstädte ziehen. Individuen verlieren sich im nationalen Kollektiv. Die Fußball-Mobilmachung und der nationale Hype zeigen in Schlaglichtern ihren zweifelhaften Charakter. Menschen wurden überfallen, von Berlin bis Bremen – Migrant_Innen gehören eben nicht so recht in einen deutschen Fanblock. Jeder Sieg der „Nationalelf“ verkommt zum Jubeltaumel – sei er auch noch so unbedeutend. Deutsche Witzfiguren taumeln besoffen umher, gröhlen die Nationalhymne und schwenken die Symbolik der unmittelbaren Vor- und Nachgeschichte des Nationalsozialismus. Tatsächlich bleibt nur zu hoffen, dass Argentinien – oder wer auch immer – dem nationalen Taumel schnellstens ein schmerzhaftes Ende bereitet.

Und während England „weggemüllert“ wurde (Spiegel) störte sich auch kaum eine_r an den Hitlergrüßen – oder der „Free Gaza“-Flagge im Stadion. Die Geschehnisse verorteten sich selbstverständlich im deutschen Fanblock. Deutschland ist noch immer scheiße!

Märtyrer.

– Dokumentation zu den Geschehnissen im Mai 2010.

Weiter gehts.

Leider wurde nichts aus dem gewünschten Vorrundenaus. Deshalb die aktualisierte Fassung der „Bockwurstparty“ – „Wettbewerbe“ zwischen England und Deutschland endeten oftmals mit eher drastischen Konsequenzen für Fahnenschwenker_Innen und anderen Nazis – nicht nur in Dresden. Da titelt auch schon der Spiegel ob „unser Team“ dem „K.O.-Spiel“ gewachsen sei – hoffentlich nicht!

Faire Verlierer.


- Dank an Reflexion.

Wer mehr von den fairen Twitter-Verlierer_innen lesen möchte, dem sei dieser Link ans Herz gelegt. Schiris sind schon scheiße, Juden, bestochen, unfair und so – geben für „jedes Faul [sic!]“ gelbe Karten.

Adorno über Fußball und Gruppenstrukturen.

Innerer Reichsparteitag im ZDF und jede Menge Autokorso.

Endlich wieder stolz sein. Aber dann auch so richtig. Nach dem sensationellen 4:0 für die deutsche Nationalmannschaft konnten allerorts betrunkene Fans ihre Autofähnchen schwenken, rumgröhlen und einfach mal ganz offen sein. War ja auch ein tolles Spiel. Die „berüchtigten Australier“ gehören schließlich immer zur engeren Auswahl aller Fachleute – und da hupt es sich doch gleich besser.

Richtig entziehen konnte sich dem „inneren Reichsparteitag“ der Nationalelf dann doch niemand – und schließlich betonte in der Halbzeitpause Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein, für Miroslav „Miro“ Klose, sei die ganze Veranstaltung derart erfreulich, dass der Nürnberg-Vergleich durchaus gerechtfertigt sei. Treffend analysierte Müller-Hohenstein: „Das ist für Miro Klose doch ein innerer Reichsparteitag, dass der heute hier trifft […]“. Der „dämliche Vergleich“ landete auch prompt auf Youtube – nach einer Stunde erreichte das Video mehr als 40000 Aufrufe, Katrin moderierte dennoch strikt bis zum Ende.

Stören wollten sich an der nationalfarbenen Dekoration die wenigsten. Polizist_Innen sicherten zu, dass die ganze Huperei zwar keineswegs legal sei, aber intervenieren würden die Beamt_Innen nicht – einmal ginge das schon. Deutsche Fahnen, deutsche Symbolik bereiten einmal mehr Bauchschmerzen. Suspekt wirkt das Fahnenmeer im Land der Täter_Innen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Bockwurstparty in naher Zukunft beendet wird.

Bockwurstparty vorbei.


- Zur freien Verwendung.

Aus aktuellem Anlass.


- Vorrundenaus!

Fragwürdige Friedensmission.

Berichtet Report Mainz. – Norman Paech, Inge Höger und Annette Groth offenbaren erneut politische Unzulänglichkeit und fehlende Sachkenntnis. – „Eine unheimlich tolle Atmosphäre“.

Geiselnahme auf der Mavi Marmara.

In aller Kürze sei auf einen weiteren exzellenten Bericht verwiesen, Reflexion. Außerdem: Die ersten Soldat_Innen an Bord der Mavi Marmara wurden durch Passagiere verschleppt. Vier überwältigte Vertreter_Innen der israelischen Marine entführten die „Friedensaktivist_Innen“ auf das unterste Deck – sie wurden bis zum Ende der Kampfhandlungen festgehalten.

Kaum zu­rück aus Is­ra­el, gab die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te der Par­tei „Die Linke“ , An­net­te Groth, die sich an der Gaza-„Frie­dens“- ​Fahrt be­tei­ligt hatte, die am 31.​05.​2010 durch die is­rae­li­sche Armee be­en­det wurde, der On­line- ​Zei­tung „Scharf Links“ ein In­ter­view. In die­sem In­ter­view schil­dert Anet­te Groth ihre Er­leb­nis­se wäh­rend ihrer Reise: „Es war eine mun­te­re Stim­mung, man könn­te fast mei­nen eu­pho­risch. Ei­ni­ge spiel­ten In­stru­men­te und san­gen Lie­der. Al Ja­zee­ra mach­te kon­stant In­ter­views und sen­de­te sie in die Welt.“ Über den In­halt der Lie­der und Sprech­chö­re, die auch auf Al Je­zee­ra zu sehen waren, ver­liert An­net­te Groth al­ler­dings kein Wort. „Oh Jews, the army of mo­ham­med will re­turn“ skan­dier­ten ei­ni­ge Rei­se­teil­neh­mer vor der Ab­fahrt, die von Al Ja­zee­ra do­ku­men­tiert wurde. […]

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