¡gracias!

Aus und Vorbei! Die spanische Nationalelf (der Männer) besiegte Deutschland im Halbfinale der Weltmeisterschaft 2010 mit einem 1:0 – gracias! Nach „spannenden“ 90 Minuten hieß es ‚Game over Krauts‘ und die anwesenden Volltrottel in Schwarz, Rot und Gold stürzten in kollektive Trauer. Über eventuelle Autokorsos (weil „unsere Jungs“ ja spitzenmäßig gespielt haben) wurde bis zum jetzigen Zeitpunkt nichts bekannt. In Hamburg und weiteren Städten lieferten sich „gewaltbereite“ Fußballfans jedoch Auseinandersetzungen mit der Polizei – faire Verlierer eben.

Wer dem Deutschlandhype jedoch etwas differenzierter (und folglich kritisch) begegnet, darf sich nun an den verheulten Gesichtern der „Fans“ freuen. Folgerichtig titelte der Spiegel: „Das war’s: Deutschlands Traum vom vierten WM-Titel ist geplatzt“.

Bundeszentrale für politische Bildung klärt über Antifa auf: „Wir waren wie eine große Familie […] du musst Mitglied sein […] du musst bestimmte Farben tragen […]“

Die Extremismustheorie ist stark im kommen. Jüngst konkretisierten Medien die geplanten „Ausstiegsprogramme“ für „Linksextremisten“ – im genauen solle eine Hotline installiert werden, die Ausstiegswilligen (Links-)“Extremisten“ können ab Herbst gemeinsam mit den Spezialisten des Verfassungsschutz an der Flucht aus dem Terrormilieu arbeiten (via). – Hierbei stammen die Ausstiegsfantasien keineswegs nur aus den letzten Monaten. Bereits vor zwei Jahren veröffentlichte das Jugendmagazin „P0litik Orange“ – herausgegeben von Jugendpresse, Bundestag und Bundeszentrale für politische Bildung – ein glanzstück des investigativen Journalismus. Die Autor_innen führten ein Interview mit einem Aussteiger aus der „Antifabewegung“.

Krawall und Remmidemmi?
Adrian B. war 14 Jahre alt, als er bei seiner ersten Antifa-Demo mitmarschierte. Mit Julia Rotenberger spricht er über Krawalle, linksextremistische Dresscodes und die Gründe seines Ausstiegs aus der Szene.

Adrian, ein Jahr lang warst du Mitglied einer Hamburger Antifa-Gruppe. Wie hast du dich gefühlt?
Am Anfang haben mir die Demos großen Spaß gemacht. Für mich waren sie ein großer Egoschub, ich fühlte mich stark in der Masse. Ich fühlte mich eben wie jemand, der die Welt verändern kann.

Verfolgte die Gruppe durch die Demonstrationen konkrete politische Ziele?
Die Ziele waren oft nur grob umrissen. Meist fanden die Demos ohne ein konkretes Ziel statt, aber aus konkretem Anlass. Zum Beispiel als spontane Gegenaktion zu einem Nazi-Aufmarsch. Anfangs hatte ich schon das Gefühl, in der Antifa bestimmte politische Ziele zu verfolgen. Wir wollten die Leute über die rechte Szene aufklären. Mittlerweile weiß ich, dass dort meistens bloße Gewalt ohne politischen Hintergrund herrscht.

Heute distanzierst du dich von der Antifa. Was hat dich damals zum Beitritt bewogen?
Was mich damals beeindruckte, war die Brutalität, der Radikalismus und die Durchsetzungskraft der Antifa. Innerhalb der Organisation herrschte ein starker Zusammenhalt, es gab keinen Verrat. Wir waren wie eine große Familie.

Wie ist die Organisation strukturiert?
Es gibt einen festen Kern von etwa zehn Leuten, die sich aber nicht zeigen. Ich habe gehört, dass diese sich auch in der rechten Szene bewegen. Sie informieren andere Antifa-Aktivisten über die Aktionen, die von den Rechtsextremisten geplant werden, und organisieren Gegenschläge. Die offizielle Arbeit, wie das Verteilen von Flyern bei angemeldeten Demos, wird von Leuten übernommen, die noch nicht polizeilich auffällig geworden sind.

Gibt es Regeln, um bei einer Antifa-Aktion teilnehmen zu können?
Du musst Mitglied sein. Ein vermummtes Gesicht ist Pflicht und du musst auch bestimmte Farben tragen: Schwarz und Rot. Außerdem kriegt jeder die Telefonnummer eines bestimmten Anwalts, den er anrufen soll, wenn er von der Polizei festgenommen wurde.

Wo siehst du die Antifa im politischen System?
Nirgendwo. Die Antifa ist ein System für sich. Durch die Parteien fühlen sich die meisten Mitglieder nicht vertreten. Eigentlich glauben sie, die Einzigen zu sein, die etwas gegen Rechtsradikalismus unternehmen. Sie sind wütend auf den Staat, weil sie glauben, dass er zu lasch mit den Rechten umgeht. Deswegen richtet sich die Antifa nicht nur gegen Rechtsradikale, sondern auch gegen den so genannten Polizeistaat. Oft setzen die Mitglieder Polizisten mit Faschisten gleich. Überhaupt sind Hass und Angst vor der Polizei die zwei tragenden Säulen der Antifa.

Spiegelt sich diese Einstellung in der Ideologie der Antifa wieder?
Die Antifa folgt keiner klar definierten Ideologie: Irgendwie ist es ein Mix aus allem. Als Vorbilder dienen historische Figuren wie Marx, Lenin oder Che Guevara. Dabei ist das Charisma der Figur entscheidend, nicht nur die Ideen, die sie vertreten hat.

Was war nach einem Jahr der Anlass für deinen Ausstieg?
Das Hamburger Schanzenfest 2005. Es gab heftige Krawalle. Polizisten wurden verletzt. Als ich dann in dem ganzen Tumult die Polizei mit den Wasserwerfern sah, fragte ich mich, was wir eigentlich mit all den Protesten erreichen wollten. Mir wurde klar, dass sie nichts bringen. Als Linker muss man vor allem tolerant sein und auch konservativere Einstellungen dulden. Bei der Antifa ist das aber nicht der Fall. Sie duldet keinen Widerspruch.

Die Highlights sind fett markiert. Dank an sans classe - (via).

„Unsere Rache für Wembley“ – Deutschland im Viertelfinale.

Wirklich unschön. Deutschland gewann im Achtelfinale der Männer-Fußballweltmeiterschaft gegen England – nun stehen die „multikulti Traumkicker“ im Viertelfinale. Von Provinz bis Metropole durften die Party-Patriot_Innen dann auch hupend und gröhlend durch Innenstädte ziehen. Individuen verlieren sich im nationalen Kollektiv. Die Fußball-Mobilmachung und der nationale Hype zeigen in Schlaglichtern ihren zweifelhaften Charakter. Menschen wurden überfallen, von Berlin bis Bremen – Migrant_Innen gehören eben nicht so recht in einen deutschen Fanblock. Jeder Sieg der „Nationalelf“ verkommt zum Jubeltaumel – sei er auch noch so unbedeutend. Deutsche Witzfiguren taumeln besoffen umher, gröhlen die Nationalhymne und schwenken die Symbolik der unmittelbaren Vor- und Nachgeschichte des Nationalsozialismus. Tatsächlich bleibt nur zu hoffen, dass Argentinien – oder wer auch immer – dem nationalen Taumel schnellstens ein schmerzhaftes Ende bereitet.

Und während England „weggemüllert“ wurde (Spiegel) störte sich auch kaum eine_r an den Hitlergrüßen – oder der „Free Gaza“-Flagge im Stadion. Die Geschehnisse verorteten sich selbstverständlich im deutschen Fanblock. Deutschland ist noch immer scheiße!

Märtyrer.


– Dokumentation zu den Geschehnissen im Mai 2010.

Weiter gehts.

Leider wurde nichts aus dem gewünschten Vorrundenaus. Deshalb die aktualisierte Fassung der „Bockwurstparty“ – „Wettbewerbe“ zwischen England und Deutschland endeten oftmals mit eher drastischen Konsequenzen für Fahnenschwenker_Innen und anderen Nazis – nicht nur in Dresden. Da titelt auch schon der Spiegel ob „unser Team“ dem „K.O.-Spiel“ gewachsen sei – hoffentlich nicht!

Faire Verlierer.


- Dank an Reflexion.

Wer mehr von den fairen Twitter-Verlierer_innen lesen möchte, dem sei dieser Link ans Herz gelegt. Schiris sind schon scheiße, Juden, bestochen, unfair und so – geben für „jedes Faul [sic!]“ gelbe Karten.

Adorno über Fußball und Gruppenstrukturen.


Innerer Reichsparteitag im ZDF und jede Menge Autokorso.

Endlich wieder stolz sein. Aber dann auch so richtig. Nach dem sensationellen 4:0 für die deutsche Nationalmannschaft konnten allerorts betrunkene Fans ihre Autofähnchen schwenken, rumgröhlen und einfach mal ganz offen sein. War ja auch ein tolles Spiel. Die „berüchtigten Australier“ gehören schließlich immer zur engeren Auswahl aller Fachleute – und da hupt es sich doch gleich besser.

Richtig entziehen konnte sich dem „inneren Reichsparteitag“ der Nationalelf dann doch niemand – und schließlich betonte in der Halbzeitpause Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein, für Miroslav „Miro“ Klose, sei die ganze Veranstaltung derart erfreulich, dass der Nürnberg-Vergleich durchaus gerechtfertigt sei. Treffend analysierte Müller-Hohenstein: „Das ist für Miro Klose doch ein innerer Reichsparteitag, dass der heute hier trifft […]“. Der „dämliche Vergleich“ landete auch prompt auf Youtube – nach einer Stunde erreichte das Video mehr als 40000 Aufrufe, Katrin moderierte dennoch strikt bis zum Ende.


Stören wollten sich an der nationalfarbenen Dekoration die wenigsten. Polizist_Innen sicherten zu, dass die ganze Huperei zwar keineswegs legal sei, aber intervenieren würden die Beamt_Innen nicht – einmal ginge das schon. Deutsche Fahnen, deutsche Symbolik bereiten einmal mehr Bauchschmerzen. Suspekt wirkt das Fahnenmeer im Land der Täter_Innen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Bockwurstparty in naher Zukunft beendet wird.

Bockwurstparty vorbei.


- Zur freien Verwendung.